P2P und die Korrelation mit den Kapitalmärkten

Diese Woche habe ich einen Artikel über p2p Kredite in der Forbes gelesen. Der Artikel ist in Englisch erschienen und der Titel lautet übersetzt: „Warum man 2017 in p2p Kredite investieren sollte“. Mein erster Gedanke war, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mit meinen Investitionen gewartet 😉 Ihr merkt, meine ironische und teils sarkastische Seite drückt durch. Dies aber nur, weil ich den Artikel mit dem reisserischen Titel eigentlich ziemlich mies finde. Und warum belästige ich euch damit? Der Artikel hatte einen Punkt, den ich interessant fand und auf diesen werde ich weiter unten eingehen.

Mein Fazit zum Gastbeitrag von David Galland (von Garret/Galland Investment Research): Es ist ein reisserischer Artikel, welcher nur ein Ziel verfolgt: Aufmerksamkeit auf die Firma des Autors zu lenken und Lesern den sagenhaften p2p Report schmackhaft zu machen. Dieser ist natürlich nicht kostenlos. Eigentlich ein oberflächlicher Werbepost von den einzig wahren Investment Gurus, die es ehrlich meinen mit uns Anlegern 😉 So, jetzt reichts, wollen wir uns doch einem spannenden Thema widmen: Korrelation.

Was ist die Korrelation?

Die Korrelation gibt Auskunft über die Stärke des Zusammenhangs der Kursentwicklung zweier Wertpapiere oder Kapitalmärkte (innerhalb einer definierten Periode). Ausgedrückt wird sie mittels dem Korrelationskoeffizienten, welcher Werte zwischen -1 und +1 annehmen kann. Eine Korrelation von +1 bedeutet, dass sich die Werpapiere perfekt gleichläufig verhalten. Beispiel: Aktie A steigt, so steigt auch Aktie B und umgekehrt. Bei einer perfekten positiven Korrelation von +1 ist diese Bedingung an jedem Tag im Beobachtungszeitraum erfüllt. In der Realität gibt es so einen Zustand nicht, so dass man keine Korrelation von +1 oder -1 beobachten kann. Wenn die Korrelation 0 beträgt, spricht man von keinem (statistischen) Zusammenhang und man kann keine Vorhersage treffen. In der realen Welt sehen wir Korrelationen von etwa minus 0.9 bis plus 0.9. Im Investment Bereich versucht man unter anderem mittels Korrelationen ein perfektes Portfolio mit Wertschriften zu kreieren. Dabei macht man sich die negative Korrelation von Renten/Obligationen/Bonds mit Aktien zu nutze. Theoretisch sollten Bonds steigen, wenn die Aktien unter Druck geraten und so einen Puffer bilden und das Ergebnis etwas abfedern. Das ist natürlich etwas gar salopp formuliert, aber grundsätzlich funktioniert das so.

Was will ich eigentlich sagen?

Wer bis hierhin gelesen hat, mein Respekt ist euch gewiss ;). Ein youtuber mit Aktien und p2p Tipps nimmt sich die Korrelation viel als Hilfsmittel um seine Einschätzung zu untermauern, welche dann wie folgt lautet:“ p2p Kredite korrelieren nicht mit Aktien, daher sind sie eine gute Beimischung für das Portfolio und vermindern das Risiko“. Eigentlich eine nette Überlegung, nur das Problem der Aussage ist, dass wenn die Korrelation 0 ist, man keine Aussage zur relativen Entwicklung machen kann und somit die Risikominderung nicht unbedingt gegeben ist. Weiter frage ich mich, stimmt das wirklich mit der Korrelation und p2p? Und genau da kommt mir der Artikel entgegen, die Korrelationen wurden berechnet. Das Beispiel (siehe unten) ist mit Lending Club (USA) gerechnet und daher sehr US lastig. Das spielt aber keine Rolle, seht selbst:

Quelle: Garret/Galland Investment Research

 

 

 

 

Man sieht hier schön, dass die Aktienmärkte (erste Spalte) positiv miteinander korrelieren. MPL ist hier übrigens das Lending Club Portfolio. Die Korrelation des MPL mit allen anderen Anlagen bewegt sich im Bereich -0.13 bis + 0.19, was verglichen mit anderen Korrelationen eher schwach und als nicht aussagekräftig zu bewerten ist. Im Artikel ist man der Meinung, dass p2p einen Puffer ins Portfolio bringen, aufgrund der Korrelation. Mit dem Puffer bin ich einverstanden, aber nicht mit dem Argument der Korrelation, sondern aus anderen Gründen. Schaut euch mal die Korrelation von MPL mit US Bonds an, die ist negativ mit -0.13. Wenn man jetzt wie im Artikel der Korrelation hier glauben schenkt, dann heisst das, dass bei steigenden US Zinsen, sich die p2p Kredite schlechter entwickeln könnten. Und genau das könnte passieren. Steigen die Zinsen, steigt die relative attraktivität von Bondanlagen und es wird wieder Kapital theoretisch aus p2p in Bonds fliessen. Die Korrelation mit den Aktienmärkten ist ganz leicht positiv, also eigentlich auch kein Zusammenhang erkennbar.

Fazit

Meiner Meinung nach sollte die Korrelation von p2p mit den Kapitalmärkten aktuell nicht überbewertet werden. Man kann diese von mir aus als Anhaltspunkt sehen, aber man sollte sich nicht darauf verlassen. Ich wage eine Prognose: Sollten wir wiedereinmal in eine Finanzkrise schlittern und alle Investoren haben Angst um ihr Geld, dann werden die Korrelationen quer durchs Band aller Anlagen relativ ähnlich sein. In Stressphasen korrelieren die Kapitalmärkte oftmals gleich. Aktien sinken, Bonds (alles bis auf ultra sichere Staatsanleihen -> Safe Heaven) sinken. Ich bin mir sicher, dass dann viele Anleger auch aus p2p Anlagen flüchten werden, und die Korrelationen sehr positiv sein werden und vieles entwickelt sich gleichläufig, nämlich nach unten…