Was der (quasi) Ausfall von Eurocent für Mintos und uns bedeuted

Ich hatte schon mehrmals darüber berichtet, dass Eurocent, ein Loan Originator auf Mintos, mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen hat. Die Kredite werden weiterhin zurückgekauft, aber ausserhalb der 60 Tage Buyback Frist. Es fliesst also noch Geld zurück an die Investoren, wie lange und wieviel das noch sein wird, wissen wir nicht. Ich würde aber davon ausgehen, dass die Investoren nicht alles Geld retour erhalten werden. Ein Schaden wird bestehen bleiben. Ob Mintos da einspringt? Ich weiss es nicht, glaube aber kaum. Dieser Vorfall ist wichtig für die Plattform und uns, warum werde ich im nachfolgenden Artikel erläutern.

Was ist passiert?

Einige Monate nachdem Eurocent der Mintos Plattform beigetreten ist, sind Berichte über Zahlungsschwierigkeiten aufgekommen und keine neuen Kredite wurden mehr auf der Plattform platziert. Auch die bestehenden Kredite wurden vom Handel auf dem Zweitmarkt ausgesetzt. Gemäss einer Erklärung von Mintos liegt der Grund für die Liquiditätsschwierigkeiten in der ausbleibenden Refinanzierung einer austehenden Anleihe. Und genau das hätte man bei der Überprüfung von Eurocent (bevor man den Loan Originator auf die Plattform augeschaltet hatte) nicht vorhersehen können. Scheinbar gab es damals keinen Grund daran zu zweifeln, dass die Anleihe refinanziert werden könnte. Nunja, auch wenn dem so gewesen sein sollte, zeigt es doch sehr schön auf, dass die Loan Originatoren nicht sehr gut kapitalisiert sind, und gewisse Ereignisse gleich zu Liquiditätsschwierigkeiten führen können.

Warum ist das jetzt gut für uns und Mintos? 3 Gründe:

1) Die Buyback Garantie ist nicht sakrosankt:

Am Beispiel Eurocent kann man erkennen (was ich übrigens immer wieder betont hatte auf diesem Blog), dass die Buyback Garantie nur soviel Wert ist, wie es die Fianzstruktur des Garantiegebers zulässt.

2) Diversifikation ist auch mit Buyback wichtig und richtig:

Bei Mintos haben wir wohl die grösste Auswahl an Kreditvermittlern (zumindest in Europa), von welchen wir Kredite erwerben können. Daher kann man sein Geld über viele verschiedene Firmen streuen und somit die Auswirkungen eines Ereignisses wie bei Eurocent abfedern.

3) Mintos wird künftig (noch) genauer hinschauen:

Mintos hat bereits bekannt gegeben, dass Massnahmen eingeleitet wurden, dass sich ein Eurocent Vorfall nicht wiederholen soll. Finde ich noch etwas speziell, denn weiter oben habe ich ja geschrieben, dass sich Mintos auf den Standpunkt stellt, dass die Geschichte nicht vorhersehbar war. Da frage ich mich, wie kann man denn Massnahmen ergreifen für etwas, was nicht vorhergesehen werden kann? Ich gebe zu, etwas ketzerisch ist die Frage schon, aber allemal gerechtfertigt. In diesem Fall, wird man nun wissen, was schief gelaufen ist und kann sich darauf vorbereiten. Aber man wird nei alles voraussehen können, und das ist der Punkt, den ich zu machen versuche: Es kann immer etwas passieren, jede Investition birgt nunmal ein Risiko. Schlussendlich sollte aber dieser Vorfall dazu beitragen, dass Mintos insgesamt sicherer wird.

Warum Diversifikation nicht das Alleinheilmittel ist

Diversifikation ist gut und ein Grundprinzip des Anlegens. Man verteilt so sein Risiko, und ein Ausfall hat einen geringeren Schaden zur Folge. Insgesamt erhöht man aber sein Risiko, von einem Ausfall betroffen zu werden, nur die Auswirkungen sind viel geringer. Gut, jetzt nehmen wir also an, wir haben unser Geld über 100 verschiedene Firmen verteilt, und wir können nun beruhigt schlafen. So lange die Wirtschaft (und somit die Geschäfte) brummt ist alles gut. Kriegen wir es jedoch mit einer Rezession zu tun, dann hilft uns die Diversifikation wohl auch nur bedingt. Die Kredite bei Mintos sind in so fern risikobbehaftet, als dass sie wohl eher schlechteren Schuldnern (subprime) gewährt wurden, welche wohl zuerst in Schieflage geraten, sollten sie ihren Job verlieren. Und wenn wir nur solche Schuldner im Portfolio halten, nützt die Diversifikation viel weniger. Das Stichwort hier ist Korrelation. Verhalten sich zwei Anlagen sehr ähnlich, spricht von von einer positiven Korrelation. Das heisst nun, dass auch wenn wir diversifiziert sind, uns das nicht viel nutzt, da wohl überall die selbe Art Schuldner hinter den Krediten steht.

Behaltet das einfach im Hinterkopf, sollten wir in eine Rezession schliddern, dann wird der gesamte p2p Sektor wohl hohe Ausfälle verbuchen müssen. Das ist natürlich nur eine Hypothese von mir und ich hoffe, ich werde nicht Recht bekommen. Sicher ist einfach, es wird eine Rezession kommen. Vielleicht nicht morgen, aber irgendwann sicher.

Was könnte man noch machen um seine Risiken zu minimieren?

Man könnte versuchen die Finanzkennzahlen (Bilanz und Erfolgsrechnung) zu analysieren, wenn diese überhaupt zugänglich sind. Das Problem hierbei ist wohl auch, dass nur wenige Investoren über ein solches know how verfügen um dies bewerkstelligen zu können. Ich traue mir das durchaus zu, bin aber von diesem Vorhaben wieder abgekommen. Warum? Es ist enorm zeitaufwändig und die Aussagekraft wohl eher beschränkt, denn die Kreditvermittler werden über keine starke Kapitalbasis verfügen. Was ich mir anschaue sind die Abschlüsse der Plattformen.

Fazit – wie mache ich weiter?

Ich fahre meine Strategie genau gleich weiter wie bisher: Diversifikation im Wissen, dass die Korrelation wohl gegen mich laufen wird, sollte es zu einer Rezession kommen (vom Grundprinzig her ähnelt das stark einer Anlage in ETF). Ich hoffe, dies dann rechtzeitig erkennen zu können. Ob es mir gelingen wird, sei dahingestellt. Wer nun nach diesem Post oder den Vorkomnissen mit Eurocent Panik gekriegt hat, dem rate ich folgendes: Zieht euer Geld aus dem p2p Sektor ab, und zwar komplett. Wer bei p2p investiert, muss sich bewusst sein, dass er sich in ein Hochrisikogebiet des Anlegens begeben hat. Bei 12% und mehr Zinsen muss man sich damit abfinden, dass es zu einem Totalausfall kommen kann. Und noch weitere Ratschläge: Versucht beim Investieren den gesunden Menschenverstand walten zu lassen, und seid kritisch. Glaubt nicht alles was Bankberater, Finanzexperten, Blogger (inklusive mir ;)) und eure Freunde am Stammtisch erzählen. Meistens hört man nur die Erfolgsgeschichten, Pleiten werden da ausgeblendet. Oder hat euch schonmal ein Freund davon erzählt wie er Geld in den Sand gesetzt hat? Eher weniger, wenn ich mich so umhöre, dann komme ich mir immer etwas dumm vor und scheinbar bin ich der einzige Mensch, der an der Börse auch mal Geld verloren hat ;). Was ich damit sagen will: die meisten Menschen verfolgen Eigeninteressen, auch wenn diese nicht immer monetären Charakter haben müssen. Manchen Menschen reicht es auch einfach in den Augen anderer gut dazustehen und bewundert zu werden. Bankberater, Finanzexperten und auch Blogger können mit ihren Botschaften finanzielle Ziele verfolgen. Seid euch dem bewusst, und versucht euch eine eigene Meinung zu bilden. Seid kritisch, auch dem gegenüber, was ich hier schreibe. Es kann sein, dass ich gewisse Umstände falsch interpretiere oder Tatsachen übersehe. Ich versuche meine Texte so objektiv wie möglich zu schreiben und werde nie etwas empfehlen, was ich nicht selber gut finde und dort investiere (auch wenn ich affiliate links nutze).

So, heute wurde es mal etwas länger, ich hoffe ich habe euch nicht gelangweilt 😉 Bei Fragen einfach posten.

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P2P und die Korrelation mit den Kapitalmärkten

Diese Woche habe ich einen Artikel über p2p Kredite in der Forbes gelesen. Der Artikel ist in Englisch erschienen und der Titel lautet übersetzt: „Warum man 2017 in p2p Kredite investieren sollte“. Mein erster Gedanke war, wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mit meinen Investitionen gewartet 😉 Ihr merkt, meine ironische und teils sarkastische Seite drückt durch. Dies aber nur, weil ich den Artikel mit dem reisserischen Titel eigentlich ziemlich mies finde. Und warum belästige ich euch damit? Der Artikel hatte einen Punkt, den ich interessant fand und auf diesen werde ich weiter unten eingehen.

Mein Fazit zum Gastbeitrag von David Galland (von Garret/Galland Investment Research): Es ist ein reisserischer Artikel, welcher nur ein Ziel verfolgt: Aufmerksamkeit auf die Firma des Autors zu lenken und Lesern den sagenhaften p2p Report schmackhaft zu machen. Dieser ist natürlich nicht kostenlos. Eigentlich ein oberflächlicher Werbepost von den einzig wahren Investment Gurus, die es ehrlich meinen mit uns Anlegern 😉 So, jetzt reichts, wollen wir uns doch einem spannenden Thema widmen: Korrelation.

Was ist die Korrelation?

Die Korrelation gibt Auskunft über die Stärke des Zusammenhangs der Kursentwicklung zweier Wertpapiere oder Kapitalmärkte (innerhalb einer definierten Periode). Ausgedrückt wird sie mittels dem Korrelationskoeffizienten, welcher Werte zwischen -1 und +1 annehmen kann. Eine Korrelation von +1 bedeutet, dass sich die Werpapiere perfekt gleichläufig verhalten. Beispiel: Aktie A steigt, so steigt auch Aktie B und umgekehrt. Bei einer perfekten positiven Korrelation von +1 ist diese Bedingung an jedem Tag im Beobachtungszeitraum erfüllt. In der Realität gibt es so einen Zustand nicht, so dass man keine Korrelation von +1 oder -1 beobachten kann. Wenn die Korrelation 0 beträgt, spricht man von keinem (statistischen) Zusammenhang und man kann keine Vorhersage treffen. In der realen Welt sehen wir Korrelationen von etwa minus 0.9 bis plus 0.9. Im Investment Bereich versucht man unter anderem mittels Korrelationen ein perfektes Portfolio mit Wertschriften zu kreieren. Dabei macht man sich die negative Korrelation von Renten/Obligationen/Bonds mit Aktien zu nutze. Theoretisch sollten Bonds steigen, wenn die Aktien unter Druck geraten und so einen Puffer bilden und das Ergebnis etwas abfedern. Das ist natürlich etwas gar salopp formuliert, aber grundsätzlich funktioniert das so.

Was will ich eigentlich sagen?

Wer bis hierhin gelesen hat, mein Respekt ist euch gewiss ;). Ein youtuber mit Aktien und p2p Tipps nimmt sich die Korrelation viel als Hilfsmittel um seine Einschätzung zu untermauern, welche dann wie folgt lautet:“ p2p Kredite korrelieren nicht mit Aktien, daher sind sie eine gute Beimischung für das Portfolio und vermindern das Risiko“. Eigentlich eine nette Überlegung, nur das Problem der Aussage ist, dass wenn die Korrelation 0 ist, man keine Aussage zur relativen Entwicklung machen kann und somit die Risikominderung nicht unbedingt gegeben ist. Weiter frage ich mich, stimmt das wirklich mit der Korrelation und p2p? Und genau da kommt mir der Artikel entgegen, die Korrelationen wurden berechnet. Das Beispiel (siehe unten) ist mit Lending Club (USA) gerechnet und daher sehr US lastig. Das spielt aber keine Rolle, seht selbst:

Quelle: Garret/Galland Investment Research

 

 

 

 

Man sieht hier schön, dass die Aktienmärkte (erste Spalte) positiv miteinander korrelieren. MPL ist hier übrigens das Lending Club Portfolio. Die Korrelation des MPL mit allen anderen Anlagen bewegt sich im Bereich -0.13 bis + 0.19, was verglichen mit anderen Korrelationen eher schwach und als nicht aussagekräftig zu bewerten ist. Im Artikel ist man der Meinung, dass p2p einen Puffer ins Portfolio bringen, aufgrund der Korrelation. Mit dem Puffer bin ich einverstanden, aber nicht mit dem Argument der Korrelation, sondern aus anderen Gründen. Schaut euch mal die Korrelation von MPL mit US Bonds an, die ist negativ mit -0.13. Wenn man jetzt wie im Artikel der Korrelation hier glauben schenkt, dann heisst das, dass bei steigenden US Zinsen, sich die p2p Kredite schlechter entwickeln könnten. Und genau das könnte passieren. Steigen die Zinsen, steigt die relative attraktivität von Bondanlagen und es wird wieder Kapital theoretisch aus p2p in Bonds fliessen. Die Korrelation mit den Aktienmärkten ist ganz leicht positiv, also eigentlich auch kein Zusammenhang erkennbar.

Fazit

Meiner Meinung nach sollte die Korrelation von p2p mit den Kapitalmärkten aktuell nicht überbewertet werden. Man kann diese von mir aus als Anhaltspunkt sehen, aber man sollte sich nicht darauf verlassen. Ich wage eine Prognose: Sollten wir wiedereinmal in eine Finanzkrise schlittern und alle Investoren haben Angst um ihr Geld, dann werden die Korrelationen quer durchs Band aller Anlagen relativ ähnlich sein. In Stressphasen korrelieren die Kapitalmärkte oftmals gleich. Aktien sinken, Bonds (alles bis auf ultra sichere Staatsanleihen -> Safe Heaven) sinken. Ich bin mir sicher, dass dann viele Anleger auch aus p2p Anlagen flüchten werden, und die Korrelationen sehr positiv sein werden und vieles entwickelt sich gleichläufig, nämlich nach unten…