Evoestate – meine Gedanken und Erfahrungen zur Immobilienplattform

Kaum eine Plattform hat bei mir ein solches Wechselbad der Gefühle ausgelöst wie Evoestate. Als ich die Plattform im Frühling dieses Jahres bemerkt hatte, dachte ich mir nur, ok das brauche ich nicht. Das lag wohl daran, dass nur wenige Projekte zugänglich waren und ich bei den meisten Plattformen schon selber dabei war. Wie ich halt so bin, habe ich Evoestate dann ein gutes halbes Jahr ignoriert und würde das wohl noch heute tun, hätte mich ein netter Twitter user nicht gefragt, warum ich dort nicht mitmache. So richtig beantworten konnte die Frage nicht und „musste“ mir daher die Plattform näher anschauen. Nunja, plötzlich mutierte ich zum Fanboy und fand alles toll, nach einigen Wochen hat sich aber auch wieder etwas Ernüchterung breit gemacht. Heute stehe ich der Plattfrom neutral bis leicht positiv gegenüber. Warum das so ist, werde ich den nächsten Paragraphen erläutern (Vorsicht, das wird ein langer Beitrag, wer nicht warten will, kann runterscrollen, es hat auch noch ein Bonus bzw Cashback Angebot).

Wer sind die Gründer?

Hinter der Plattform stehen Audrius und Gustas, zwei Litauer welche jedoch in Spanien wohnen. Leider weisen die beiden keine Erfahrung im Immobilienbereich aus, was ich doch erwartet hätte in diesem Zusammenhang. Bei Investments und IT kennen sie sich doch jedoch aus. Gemäss eigenen Angaben hat das Venture Capital Unternehmen Start up wise guys in Evoestate investiert, im Portfolio taucht Evo jedoch (noch) nicht auf. Ich habe gelesen, sie seien im aktuellen Batch drin. Ich denke, man kann das glauben, falls es nicht stimmen sollte, sind sie sowieso gestorben für mich. Wise guys ist übrigens auch bei Estateguru investiert. Die Plattform ist in Estland domiziliert, da dies aus steuerlichen Gründen vorteilhafter ist als anderswo.

Was macht Evoestate eigentlich?

Via Evoestate können Investoren auf aktuell 18 europäischen Immobilienplattformen ihr Geld anlegen und es werden in Zukunft weitere hinzukommen. (Ich spare mir hier eine nähere Beschreibung der Plattformen, die hat Phil bereits gemacht und ihr findet dort auch ein Interview zur Plattform). Evoestate bündelt die Investitionen der Anleger und investiert das Geld direkt in die jeweiligen Projekte der Plattformen (und tritt dabei als juristische Person auf. Das heisst auch, dass die Investitionen im Namen von Evoestate getätigt werden und ihr den anteiligen Anspruch eures Investments gegenüber Evoestate habt.) Dies geschieht in Echtzeit, da Evoestate über eine Schnittstelle zu den angeschlossenen Plattformen verfügt. Auf den ersten Blick sieht es dann so aus, als ob es keinen Unterschied macht, ob ihr direkt oder via Evo ein Investment tätigt. Auf den zweiten Blick gibt es aber schon Unterschiede, welche ich anhand von einem Testinvestment bei Brickstarter und Evoestate bemerkt habe. Einen weiteren Unterschied habe ich durch Zufall bei Reinvest24 mitbekommen.

Brickstarter & Reinvest24 vs Evoestate

Ich habe bei Brickstarter sowie Evoestate in das gleiche Projekt investiert und wollte mir ansehen, wie das im Vergleich läuft. Die erste Auszahlung ist vor wenigen Tagen gekommen und wurde bei beiden Plattformen etwa zeitgleich verbucht. Brickstarter hat mich hierüber per Email informiert, sonst hätte ich das erst später gesehen. Von daher alles gut und gleichwertig. Brickstarter hat mich aber noch über die Höhe der zurückbehaltenen Steuern informiert und weist den Betrag separat aus (alle spanischen Plattformen halten für nicht Spanier einen gewissen Teil der Zinsen als Steuer zurück). Das sehe ich leider bei Evoestate überhaupt nicht. Es soll jedoch bald eine Auswertung für die Steuern aufgeschaltet werden. Brickstarter arbeitet an einer Lösung, um nicht in Spanien ansässige Investoren vom Steuerrückbehalt zu befreien. Selbiges plant Evoestate. Bei Evoestate werden neu nur Steuern der Plattform Housers zurückbehalten, sonst nirgends. Brickstarter hält noch Steuern zurück, aber die werden im Januar komplett zurückerstattet, man hat hier eine Lösung gefunden um auf einen Steuerrückbehalt zu verzichten.

Bei Reinvest24 gab es einen Spezialfall, dass bei einem Projekt die Auszahlungen taggenau bezogen auf den Investmentzeitpunkt ausgezahlt wurden. Damit hatte Evoestate Mühe und musste hier etwas basteln, die Zahlung kam bei Evoestate Investoren einige Tage später an, als bei Reinvest24 Investoren. Aber hier wie gesagt ein Spezialfall…. aber Evo muss sich bei jeder Änderung seitens der Plattformen wieder anpassen.

Nachteile und Vorteile

Ich sehe den Aspekt der Steuern als vermeindlichen Nachteil von Evoestate, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Zudem kann es immer zu Verzögerungen kommen, da sich Evoestate an die Plattformen anpassen muss (in der Regel Spezialfälle). Einen weiteren Nachteil sehe ich darin, dass man hier als Investor einen Anspruch an Evoestate hat und nicht direkt gegenüber der jeweiligen Plattform. Auch muss sich Evoestate darum kümmern Updates von den Plattformen an die Investoren weiterzuleiten.

Der zentrale Vorteil von Evoestate ist sicherlich, dass man sich nicht auf unzähligen Plattformen registrieren muss und Zugang erhält auf Plattformen in diversen Regionen und Projekten, welche eigentlich für Grossinvestoren reserviert sind (hohe MIndestbeträge etc). Zudem vergibt Evoestate auch kurze Ratings zu den Projekten und teilt mit warum (= skin in the game, die Gründer investieren selber in das Projekt), oder warum nicht investiert wird. Die endgültige Entscheidung liegt beim Investor ob er der „Empfehlung“ folge leistet oder nicht. Ich bin nicht immer angetan von den Einschätzungen, muss ich zugeben. Aber es ist sicherlich von Vorteil, wenn jemand schon einmal drübergeschaut hat und man dies nicht selber machen muss oder will. Ein riesiger Pluspunkt von Evoestate ist der Zweitmarkt.

Der Zweitmarkt

Ein Zweitmarkt ist immer von Vorteil und hier besonders, da Evoestate bereits viele Nutzer hat und man hier auch Projekte von kleineren Plattformen verkaufen kann. Ich habe einige Projekte ohne Aufschlag in den Zweitmarkt gestellt, welche innerhalb von einigen Tagen gekauft wurden. Die Angebote und Gesuche im Zweitmarkt verfallen übrigens nach einigen Tagen automatisch. Käufe zum Einstandspreis sind mir jedoch keine gelungen. Die Auf- oder Abschläge könnt ihr selber bestimmen, und ihr könnt jedes Projekt erwerben, egal ob ihr bereits dabei seid oder nicht. Anbei seht ihr einen Auszug aus dem Zweitmarkt. Die Transaktionen auf dem Zweitmarkt sind aktuell kostenlos. Ihr müsst einfach bedenken, dass wenn ihr beispielsweise 50 Euro von einem Reinvest24 kauft, ihr 48 Anteile davon erhaltet. Das ist so, weil bei Reinvest24 beim Investment eine 2 Prozent Gebühr anfällt. Ihr kauft also die Gebühr mit, gleich wie wenn ihr direkt bei Reinvest24 investiert hättet. Auf dem Zweitmarkt ist somit alles in Bruttowerten angegeben. Dies zum Verständnis.

Auszug vom Zweitmarkt bei Evoestate

Mein Portfolio

Unten seht ihr mein aktuelles Portfolio, welches sich noch im Aufbau befindet. Ich möchte mehrheitlich in Projekte investieren, welche monatliche oder mindestens quartalsweise ausschütten. Ich werde nur in ganz speziellen Fällen bei Equity Projekten mitmachen. Ihr seht ich bin aktuell nur in Rent (also Vermietung wie Brickstarter, Reinvest24) und Loans (Kredite wie Estateguru, Nordstreet etc) investiert. Der Betrag ist noch nicht allzu hoch, da mir einerseits die Projekte gefehlt haben und ich anderer seits einige hundert Euro jeweils direkt bei Reinvest24 investiert hatte (im Nachhinein betrachtet war das wohl etwas unklug, wegen dem fehlenden Zweitmarkt. Aber ich plane die Projekte langfristig zu halten und Reinvest24 wird irgendwann dann auch noch einen Zweitmarkt bringen. Eine Möglichkeit zur Liquidation zu haben, ist aber nie verkehrt).

Meine aktuelle Portfolioverteilung bei Evoestate

Autoinvest

Auch an den Autoinvest wurde gedacht, diesen seht ihr unten. Es hat alle notwendigen Einstellungsmöglichkeiten. Ein sehr nettes Feautere ist jedoch, dass ihr vom Autoinvest getätigte Investitionen innerhalb von 24 Stunden noch rückgängig machen könnt. Aktuell nutze ich den Autoinvest nicht, da ich mir gerne alles in Ruhe anschaue und die gelisteten Projekte meistens nicht sofort voll investiert sind.

Evoestate Autoinvest

Wie verdient Evoestate seine Brötchen?

Bei den Equity Projekten wird immer ein vordefinierter Teil des Gewinns von Evoestate einbehalten. Die Werte sind immer in der Projektbeschreibung festgehalten. Bei allen anderen Projekten ist das nicht im Projektbeschrieb vermerkt. Ich habe mal gelesen, Evoestate erhält 1 Prozent von den Partnerplattformen, ob das so stimmt weiss ich nicht. Sicher ist aber (und das ist auch logisch und ok), dass Evoestate irgendwie vergütet wird.

Fazit & Cashback oder Bonus

Wie eingangs erwähnt stehe ich der Plattform positiv gegenüber. Jedoch muss in den nächsten Wochen noch einiges passieren und als erstes das Steuerreporting kommen. Steuerreporting ist nun verfügbar. Zudem möchte ich sehen, wie mit Updates zu Projekten umgegangen wird.

Falls ihr beabsichtigt euch Evoestate einmal anzuschauen, bietet die Plattform aktuell zwei Möglichkeiten für einen Neuinvestorenzustupf. 1) 15 Euro nach dem ersten Investment (vorherigen Link nutzen zur Registrierung) 50 Euro Mindest Anlage genügt ODER 2) 0.5% Cashback auf eure Investitionen der ersten 6 Monate gibt es mit diesem Link. Das heisst also Option 2 ist lukrativer für euch, wenn ihr innerhalb von 6 Monaten beabsichtigt eine Anlagesumme von mindestens 3’000 Euro zu platzieren. Für kleinere Investments ist Option 1 sinnvoller. Ich erhalte die selbe Vergütung wie ihr, ich danke für eure Unterstützung.

Bei Fragen einfach posten. Grüsse

Es braut sich etwas zusammen am p2p Himmel (Envestio / Kuetzal etc)

Aktuell brennt die Luft ein wenig im p2p Universum (zumindest im baltischen, im englischen ist die Luft draussen). Ich möchte euch gerne über einige aktuelle Fragestellungen informieren, welche bei einigen Plattformen wohl doch für rote Köpfe sorgen werden. Aktuell stehen erst einige Vorwürfe im Raum und man sollte versuchen sich ein objektives Bild zu machen und genau hinschauen, denn wo Rauch ist, hat es meistens auch Feuer….

Envestio und Kuetzal

Bei beiden Plattformen ist es fast zeitgleich zu Wechseln im Management sowie im Falle von Envestio zu einem Verkauf der Plattform gekommen. Bei Interesse oder falls ihr bei den Plattformen aktiv seid, sollted ihr euch diesen Artikel vom Trüffelschwein durchlesen. Kuetzal wurde zudem noch von einem Blogger besucht und das Resultat könnt ihr hier in Englisch nachlesen (lohnt sich). Er kam zum Fazit sein Geld zurückzuziehen…..

Mintos

Zwei Loan Originators wurde die Lizenz entzogen, welche sich aber dagegen wehren. Beim krassen Wachstum der Plattform, war es nur eine Frage der Zeit bis nach der Eurocent Pleite und den Problemen mit Aforti weitere dazustossen. Zudem sind Auszahlungen aus dem Invest and Access verzögert worden.

Fastinvest

Fastinvest hat scheinbar seine Geschäftsabschlüsse den UK Behörden verzögert eingereicht. Ob sich daraus ein Problem ergibt, weiss ich noch nicht.

Ibanwallet

Bei Ibanwallet steht die Frage im Raum, ob diese wirklich eine Lizenz der FCA inne hat. Ich habe um Stellungnahme seitens Ibanwallet gebeten.

Robocash

Robocash hat ein wenig Ärger in den Philippinen. Die dortige Aufsichtsbehörde hat Robocash die Lizenz entzogen, oder dies zumindest angekündigt. Gemäss Robocash wurde die Lizenz noch nicht entzogen, jedoch geht man gegen die beabsichtigte Entziehung der Lizenz vor. Scheinbar wurde der philippinische Arm von Robocash (war scheinbar ein Joint Venture mit einer lokalen Firma) bereits aus der Robocash Holding ausgekauft. Per Anfang nächstes Jahr, muss Robocash Philippinen dann umfirmiert werden. Ich würde mal den Autoinvest entsprechend anpassen.

Was machen wir nun mit diesen Infos?

Erstmal durchatmen und sich seine eigenen Gedanken machen. Wenn man sich aufgrund der aktuellen Lage unwohl fühlt, sollte man sein Geld zurückholen (sofern das kurzfristig möglich ist). Es muss auch nicht gleich wieder auf einer anderen Plattform reinvestiert werden ;). Ich werde meine Gelder verschieben und mein Portfolio neu ordnen. Eigentlich etwas, was ich langsamer angehen wollte und aufgrund der sich abzeichnenden Eintrübung der Weltwirtschaft ins Auge gefasst hatte. Nunja, dann beschleunige ich diesen Prozess nun….

Es würde mich nicht wundern, wenn wir in den nächsten Wochen weitere solche Berichte lesen würden (insbesondere von Plattformen mit Zinsen um die 20 Prozent und oder hohen Buyback penaltys…., Crowdestor mal vorläufig ausgenommen).